Teil I, Kapitel 1: Die tote Maus
Harst stand am Fenster des Wintergartens und blickte in unseren weißen Gemüsegarten hinaus. In der Nacht war Neuschnee gefallen, nun schien die Sonne, das Thermometer zeigte acht Grad Kälte, und unsere beschneiten Bäume dienten fünf hungrigen Krähen als vorläufiger Ruheplatz, — sie warteten nur darauf, daß wir die Hühner füttern gingen, dann fielen auch stets ein paar Brocken für sie ab. Es waren unsere Stammgäste. Sifu, unser chinesischer Boy, den ich am Schluß des vorigen Bandes recht stiefmütterlich behandelt habe, räumte den Frühstückstisch ab. Er hatte sich in dieser einen Woche seit unserer Heimkehr rasch in unser häusliches Leben eingewöhnt. Er war der anstelligste, sauberste Junge, der je unsere Zuneigung besessen hatte. Sein pfiffiges Gesicht, seine gelben kräftigen Zähne, seine Fledermausohren, in denen er als Andenken an seine abenteuerliche Jugend auf indischen Meeren noch heute seltsam geformte Ringe trug, — alles an ihm war charakteristisch. Ich saß am Tisch und las die Morgenzeitungen. Frau Harst, Haralds liebe Mutter, fütterte ihren Papagei, und die dicke Mathilde rumorte im Eßzimmer mit dem Zedar-Mop auf dem Parkett umher und schimpfte leise auf die neumodischen Erfindungen … Aber den Zedar mußte sie trotzdem benutzen. »Es geht doch nichts über unseren deutschen Winter,« sagte Harald so recht aus tiefster Heimatfreude heraus. »Die Wochen in Indien waren schön,