Das Paradies
DAS PARADIES Der Dichter sah seine Freunde an, die Anverwandten, den Priester, den Arzt und den kleinen Hund, alle, die in seinem Zimmer versammelt waren — und starb. Auf ein Stück Papier wurde sein Name geschrieben und sein Alter: er war achtzehn Jahre alt. Da ihn die Freunde und Anverwandten auf die Stirne küßten, fühlten sie, daß er kalt geworden war. Er aber empfand ihre Lippen nicht mehr, denn er war im Himmel. Und nun fragte er sich auch nicht mehr, wie er es auf Erden immer getan hatte, wie denn dieser Himmel eigentlich sei. Da er darinnen war, verlangte es ihn nach nichts anderem mehr. Seine Eltern, die vielleicht (wer weiß das?) vor ihm gestorben waren, kamen ihm entgegen. Sie weinten nicht, und auch er weinte nicht, denn sie hatten, alle drei, einander niemals verlassen. Seine Mutter sagte ihm: „Geh, kühl den Wein ein! Wir werden dann gleich in der Laube des Paradiesgartens mit dem lieben Gott zum Mittagessen gehn.“ Sein Vater sagte ihm: „Geh dort unten Obst pflücken! Hier gibt es keine giftigen Früchte. Und die Bäume reichen dir gern ihre Früchte. Ihre Blätter und Zweige leiden nicht unter deinem Pflücken, denn sie sind unerschöpflich.“ Der Dichter wurde von Freude erfüllt, da er nun wieder seinen Eltern gehorchen konnte. Als er aus dem Obstgarten zurückkam und die Weinkrüge in das Wasser gestellt hatte, erblickte er seine alte Hündin, die vor ihm gestorben war.