Chapter

Das Paket im Urbanhafen

1. Kapitel. Die Barmaid Zelestine. »Eine scheußliche Nacht!« sagte Harst zu mir, als wir gegen elf Uhr abends am 23. November die Gitschiner Straße im Süden Berlins unter der Hochbahnstrecke entlang wanderten. Er klappte dabei den Ulsterkragen empor und warf den Rest seiner Zigarette im Bogen auf den regenfeuchten Fahrdamm. Der Herbststurm fegte in unregelmäßigen Stößen über das Häusermeer der Reichshauptstadt dahin, Hochbahnzüge donnerten über unseren Köpfen wie unsichtbare Poltergeister hinweg und warfen flüchtigen Lichtschein auf die Fronten der düsteren Gebäude, zwischen denen auch die wenigen Fußgänger an diesem unfreundlichen Abend dem behaglichen Heim zutrieb. Es war so recht eine Nacht, in der niemand einen Hund ins Freie jagt. Und wir beide waren nun bereits drei Viertelstunden unterwegs, — scheinbar zwecklos — scheinbar! Wir hatten bis gegen halb zehn in der Krokodil-Bar in der Augsburger Straße gesessen. Wir hatten, in der Verkleidung blondbärtiger Ausländer, viel Geld springen lassen und der schönen Barmaid in harmloser Weise den Hof gemacht. Bis diese blonde, schlanke, üppige Zelestine Drepp plötzlich erklärte, sie habe von zehn Uhr ab vom »Chef« Urlaub erhalten. Da hatte sie sich flüchtig von uns verabschiedet. Und — da hatten wir dem »Krokodil« schleunigst Lebewohl gesagt und waren draußen auf und ab geschleudert. Und — da hatte sich in meinem Hirn jener

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