Streckbett der Tugenden
Die Stadt stöhnt. Die alte Stadt Paris wird verjüngt, und es tut weh. Die Stadt, die glaubt, sie sei schön in Ewigkeit, wird verschönt – und es sieht doch aus, als werde sie vernichtet. Sie wird gepackt, an allen Enden, zerrissen, zerschnitten, zerschlagen. Über die Gassen und Häuser, die im Wege stehen, prasseln die Todesurteile, immerzu. Ein mächtiges Kreuz wird ausgehoben: die Nord-Süd-Ader, die West-Ost-Ader. Es ist seltsam, dass eine Stadt gleichsam gekreuzigt wird, um der Schönheit und der Verjüngung willen. Es ist eine seltsame Zeit. Man möchte meinen, die Spitzhacke regiere, die Steinsäge kreische die Zeithymne, der Staub der Zertrümmerungen hisse die Zeitfahne, und das Aufgebot der Termiten, der endlos einströmenden Arbeiter, durch die Aufgabe und das Handwerkszeug gefährlich erscheinend, gar rebellisch – man kannte ja Rebellion –, sei die feindselige Zeitarmee. Dem ist aber nicht so. Dies alles sind Werkzeuge der obersten Zuversicht in der Hand des neuen Stadtdiktators, der ein Genie sein soll, ein Genie im Verständnis für den Genius seines Herrn. Der Plan regiert, die neue Ordnung, die neue Vernunft, die neue Schönheit und das neue Glück. Der Plan will die Auferstehung von Paris in nobler, gesunder und ordentlicher Gestalt. Um lauter Tugenden also wird die Stadt berannt und kreuzweise in Schutt gelegt. Um lauter Tugenden? Die Zuversicht hat nichts zu verbergen, der