Die Begegnung im Louvre
Von allen Gemälden, die der Louvre enthält, ist das großartigste der Louvre selbst. Dies war meine Empfindung, als ich in dem großen Pariser Kunstpalast gemächlich aus einem Saal in den anderen schlenderte. Im Gegensatz zu vielen anderen Besuchern war ich ohne Bädecker gekommen, da ich nicht die Absicht hegte, die endlosen Galerien in ihrer ganzen Ausdehnung zu durchwandern, oder von dem Geiste der übergewissenhaften Beschauer beseelt war, die sich vorgenommen haben, in einer begrenzten Anzahl von Stunden eine unbegrenzte Anzahl von Quadratmetern bemalter Leinwand mit dem Auge zu überfliegen. Ich war zufrieden, wenn ich eine einsame Ecke und ein einzelnes Meisterwerk finden konnte, um mich mit ihm in einer müßigen Stunde zu beschäftigen, mein Kunstverständnis zu erweitern und in den Geist des auf dem Gemälde dargestellten Vorwurfes einzudringen. Obgleich ich mich aber aus den heißen, belebten Straßen hierher geflüchtet hatte, um Ruhe und Stille zu finden, fand ich mich, wie dies so meine Art ist, von dem lebenden sich in beständigem Wechsel vor meinen Augen abrollenden Panorama unwiderstehlich gefesselt. So bewegte ich mich denn durch die Menge, die Gesichter der Menschen aufmerksamer betrachtend als die an den Wänden hängenden Schöpfungen der Phantasie oder Darstellungen historischer Begebenheiten. Die Eigentümlichkeiten einzelner Individuen unter diesen Hunderten von