Chapter

Vor dem Sturm

Ich wurde durch fernes Donnerrollen aus dem Schlafe geschreckt. Ein Blick aus dem Fenster meines Zimmers zeigte mir das unheimliche Schauspiel eines heraufziehenden Unwetters. Dunkle Gewitterwolken, aus denen nur hier und da ein grünlich fahler Schein hervorbrach, bedeckten den Himmel, doch lag die See noch ruhig da, und träge nur brachen sich die bleigrauen Wellen an den Klippen, die rings die Bucht umrahmten. Wie ausgestorben dehnte sich die weite, öde Wasserfläche hin; nur die hüpfenden Schaumflocken der Brandung drüben am Deadlow-Felsen und den beiden Nachbarklippen, die im ganzen Umkreise die »Zwillinge« hießen, brachten Farbe und Leben in das düstere Bild. Eine unheimliche Stille brütete in der Luft; kein Windhauch regte sich. Das dumpfe Grollen des Donners war verstummt. Als ich einige Stunden später ins Wohnzimmer trat, schänkte meine alte Mutter mit zitternder Hand mir den Kaffee ein. Wieder so schlechtes Wetter heute, Hugh! seufzte sie. Ja, erwiderte ich, auf See braut sich ein tüchtiges Gewitter zusammen: Hast du's vorhin nicht donnern hören? Sie nickte. Hoffentlich brauchst du heute nicht mit dem Rettungsboot hinaus, Hugh! Ich hatte diese Nacht wieder einen so schrecklichen Traum. Ich sah dich mit den Leuten ins Boot steigen und bei hellem Sonnenschein in die Bucht hinein segeln. Plötzlich aber verdüsterte sich der Himmel, und es wurde immer dunkler, so wie jetzt.

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