Das Mädchen von Arles
Steigt man von meiner Mühle hinab ins Dorf, so geht man an einem Haus vorüber, das dicht an der Straße im Grunde eines mit Ulmen bepflanzten großen Hofes liegt. Es ist das echte provenzalische Bauernhaus, mit seinen roten Dachziegeln, der breiten dunklen Fassade mit den unregelmäßig in das Mauerwerk gebrochenen Fenstern; mit dem Wetterhahn ganz oben über dem Heuboden, der Rolle, um die Bunde in die Höhe zu winden, und ein paar herauslugenden Büscheln von braunem Heu. Warum war dieses Haus mir aufgefallen? Warum schnürte sich vor diesem festverschlossenen Tor mein Herz zusammen? Ich hätte es nicht sagen können, und doch fror mich an dieser Stätte. Es war zuviel Stille ringsum ... Wenn man vorüberging, bellten keine Hunde, die Perlhühner flüchteten lautlos... Drinnen keine Stimme! Nichts, nicht einmal der Schellenton eines Maultiers... Ohne die weißen Gardinen an den Fenstern und den Rauch, der von den Dächern aufstieg, hätte man den Ort für unbewohnt gehalten. Gestern Schlag zwölf kam ich aus dem Dorf, und um die Sonne zu vermeiden, ging ich an den Mauern des Gutshofes entlang, im Schatten der Ulmen ... Auf der Landstraße vor dem Haus beluden Knechte schweigend einen Karren mit Heu ... Das Tor war offengeblieben. Ich warf im Vorbeigehen einen Blick hinein und sah im Grunde des Hofes einen hochgewachsenen, ganz weißhaarigen Greis in zu kurzer Jacke und zerlumpten Hosen, die