Erster Teil
In einsamer Gegend, wo Mitteldeutschland in den flachen Norden übergeht, schritt in kühler Morgenfrühe ein Wanderer. Er war jung; aber jene Schatten lagen über ihm, die sich auf so manchen senkten, der die bösen vier Jahre draußen gewesen war. Das starke dunkelblonde Haar des Barhäuptigen, das steil über der offenen gutgebauten Stirne stand, zeigte an den Schläfen schon vereinzelte graue Fäden; und auch dieser Stirne selbst sah man an, daß allerlei Wolken darüber gezogen sein mußten. Sie war auch jetzt, dem herrlichen Maienmorgen zum Trotz, nicht frei. Von unfrohen Gedanken verdunkelt, blickten die Augen abwesend auf den staubigen Weg, und niemand hätte ihnen jetzt anmerken können, wie hell sie in Lebensfreude und Lebensglauben leuchten, in Humor und gelegentlich in raschem Spott aufblitzen konnten. Die große schlanke Gestalt sah gut aus in dem Sportanzug; der mühelos getragene Rucksack mit eingeschnalltem Mantel deutete auf längere Wanderschaft. Der ganzen Erscheinung hätte in dieser schönen Morgenstunde ein federnder ausgiebiger Schritt wohl angestanden; 6 statt dessen griff der Mann wie unwillig oder doch gleichgültig aus, als locke ihn kein Ziel. Er sah die Lieblichkeit der einfachen Gegend nicht. Weder die aufblitzenden kleinen Seen und Weiher, noch die vom Lenzwind überstrichenen, frisch ergrünten Ackerbreiten, noch die da und dort eingestreuten dunklen Waldstücke nahm er