Das Löschblatt von Amritsar
1. Kapitel. Im Schlafwagen. Der Nachtzug Gwalior-Amritsar durcheilte ohne Aufenthalt die endlosen Ebenen des Pandschab, des Fünfstromlandes im Norden Vorderindiens. Die letzten drei Wagen enthielten nur Schlafabteile. In einer der bequemen Kabinen mit zwei Betten hatten Harst und ich uns ganz häuslich eingerichtet, hatten soeben draußen im Gange noch eine Zigarette geraucht und uns vergewissert, daß unsere Nachbarn rechts und links zwei baumlange Offiziere der britisch-indischen Armee waren, die wir nicht weiter zu beargwöhnen brauchten. Vorsichtig mußten wir beide ja stets und überall sein. Wer hinter einem Verbrecher von Cecil Warbattys Fähigkeiten her ist, tut gut, jedem Menschen gegenüber zunächst mißtrauisch zu sein. Harst gähnte, verriegelte die Tür des Abteils und begann sich zu entkleiden. Ich folgte seinem Beispiel. Ich saß auf dem Bettrand und ließ aus Ungeschick einen Stiefel fallen. »Du machst mich noch nervöser!« fuhr Harst sofort gereizt auf und warf mir einen bitterbösen Blick zu. »Entschuldige,« stammelte ich. — Was hatte er nur: Von einer so unliebenswürdigen Seite lernte ich ihn ja sehr selten kennen. Er öffnete jetzt die eine Luftscheibe des Dachschachtes noch mehr, meinte dann: »Die Hitze ist unerträglich. Trotzdem werde ich wie ein Toter schlafen. — Gute Nacht, mein Alter. Verzeih’ schon, wenn ich soeben etwas heftig wurde. Dieses schöne Land mit Warbatty