Erstes Kapitel
Der Regierungspräsident von Ingenheim wanderte ungeduldig zwischen der kleinen sonnenhellen Frühstücksstube und dem dunkeln schwerschattigen Speisezimmer auf und nieder. Wie lange sie heute auf sich warten ließ! Gerade heute, da er so dringend auf dem Präsidium zu tun hatte. Er griff mit der Linken in den schwarzen Bart, den er lang wallend herabwachsen ließ, und zerrte vor Ungeduld an den spröden Strähnen. Wo sie nur blieb! Natürlich hatte sie die halbe Nacht mit dieser – dieser Freundin verplaudert, die da gestern abend plötzlich hereingeschneit war. Er ging wieder zur Tür und hob die Hand halb zur Klinke. Dann ließ er sie aber wieder sinken und wanderte in die Helle zurück. Es war ihm peinlich, an ihre Schlafzimmertür zu klopfen. Und ohne weiteres eintreten konnte er auch nicht. Am Ende war die Fremde bei ihr. Endlich, als er gerade den Diener mit der Weisung zu ihr schicken wollte, sie möchte sich ein wenig beeilen, er warte auf sie, trat sie mit ihrem hastigen Schritte ein. »Du bist noch hier!« sagte sie erstaunt und bot ihm die Wange zum Kuß. Er drehte ihr Gesicht sanft zur Seite und küßte sie auf den Mund. »Nicht so kargen,« lächelte er. »Ich habe auf dich gewartet, Manja. Ich muß mit dir sprechen.« Sie blickte ihn mit ihren großen grauen Augen erwartungsvoll, fast erschreckt an. »Es ist,« begann er und blickte zur Seite, die ganze Sache war ihm sehr unangenehm, »wegen