Chapter

1.

An einem stillen, trüben Winter-Sonntage, um die Zeit, wo in der Residenz das Schauspiel angeht, strömten auch die Honoratioren des Städtleins Krautberg durch das Thor, welches die Stadt mit dem Schlosse des Amtsrathes Hastig verbindet. Auf Phaetons und Whisky's, in Bomben, Karreten und Korbwagen rollte der umwohnende Landadel mit der Geistlichkeit, den echten und unechten Ober-Amtmännern und den Wirthschaftinspectoren herbei. Mit schallendem Gelächter und verhängtem Zügel kamen die Officiere des Dragoner-Regimentes angesprengt, das in der Gegend stand. Alles drängte sich in dichten Haufen die breite Schloßtreppe hinauf, um sich an Kotzebue's Stricknadeln, die heute gegeben wurden, und daneben an den sarkastischen Bemerkungen zu ergötzen, zu denen dergleichen Darstellungen in der Regel jeden Zuschauer begeistern. Während dem stand der Amtsrath, schon im vollen Kostüm des Advocaten Burrmann in seinem Schlafkabinet vor dem Spiegel, malte sich mit dem schwarzen Tuschpinsel die erforderlichen Falten nach den Vorzeichnungen, die das Alter schon auf seinem Gesichte angelegt, und relevirte Nase und Backenknochen mit etwas Kugellack. Am Fenster lehnte Aphanasia, seine reizende Tochter, und soufflirte zum dritten Male dem schwerlernenden Vater die kurze Rolle. Aber seine Gedächtnißlücken entgingen ihr fast ganz, denn sie sah sehr häufig neben der Rolle weg durch die Dämmerung nach dem

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