Das Licht in der Lehmhütte - 1. Kapitel
Es war an einem wundervollen Septembermorgen, als der Postbote in Berlin-Schmargendorf, Blücherstr. 10, zwei Briefe für den Besitzer dieses Villengrundstücks, den Gerichtsassessor a. D. Harald Harst, ablieferte. Harst besichtigte die Umschläge. »Einer aus Arendsee in Mecklenburg, der andere aus Berlin. — Sehr teures Briefpapier bei beiden; der aus Arendsee offenbar von einer Dame, die kräftige Parfüms liebt; der Brief duftet nach Ylan-Ylan. Die Handschrift der anderen sollte Dir bekannt sein, mein Alter. Diese steile, schmucklose Schrift ist die unseres Freundes Vincent Saalborg, von dem wir nun wochenlang nichts gehört haben.« Er schnitt diesen Brief zuerst auf. Es lag lediglich eine Besuchskarte sehr großen Formats darin. Auf der einen Seite war gedruckt zu lesen: Hektor Amadeus Fürst Palivarri. Herzog von Plachtenberg. Graf von und zu Pontio. Auf der anderen stand mit Tinte geschrieben: »Verehrtester Gegner! Es ist Zeit, daß wir die infolge besonderer Umstände unterbrochenen gegenseitigen Beziehungen wieder aufnehmen. Die Abwicklung unserer Wette ist zu sehr ins Stocken gekommen. Ich werde mir erlauben, am 15. September d. J. die berühmte Brillantbrosche der Gräfin von Rackler (Schloß Racklenberg, Bahnstation Arendsee, Mecklenburg) um ½ 11 Uhr abends wohltätigen Zwecken zuzuführen. Ich bin wie stets Ihr ergebenster Fürst Palivarri.« Der Leser wird sich auf Vincent Saalborg