Sechs leere Briefbogen - 1. Kapitel
»Herr Harst, — Herr Harst, es ist ein Hühnerdieb im Stall!« — Dies war der Alarmruf, der unser Abenteuer mit den sechs leeren Briefbogen einleitete. Damals, als die brave alte Mathilde, die Harstsche Köchin mit diesem Alarmruf erschrocken und empört in Harald Harsts Arbeitszimmer gestürmt kam, waren wir gerade vor vier Tagen aus Göteborg in Schweden heimgekehrt. Wir hatten in Haralds Studierzimmer am Sofatisch gesessen und beim Lichte der elektrischen Stehlampe Abendzeitungen durchgesehen. Es mochte halb neun gewesen sein, als Mathilde uns dann aus der beschaulichen Ruhe aufrüttelte. »Na, na, liebe Mathilde, — ein Dieb in unserem Hühnerstall!« meinte Harald zweifelnd. »Das muß denn gerade ein Mensch sein, der nicht weiß, wer hier wohnt!« Mathilde wurde böse. »Natürlich — wenn wir hier erst stundenlang reden, dreht er den besten Legehühnern den Kopf ab und verduftet!« fauchte sie. »Meinetwegen kann er’s tun! Aber hier gibt’s dann nichts mehr zum Frühstück.« Wir erhoben uns lachend. »Die Drohung ist fürchterlich!« meinte Harald. »Sie sahen den Kerl also im Stalle verschwinden, Mathilde?« »Ja. Ich wollt’ gerade die Ställe abschließen —« »Gut. Schraut und ich werden den Dieb abfassen!« Wir verließen ganz leise durch die Hoftür das Haus. Der Septemberabend war mondhell. Als wir dicht vor der Tür des Hühnerstalles standen, sagte Harst: »Die Eiervögel verhalten sich merkwürdig ruhig!«