Chapter

1. Kapitel.

Die Geschichte des leeren Zimmers gehört zu den seltsamsten Kriminalfällen aller Zeiten. Es ist geradezu ein Wunder, daß bisher kein Romanschriftsteller sich dieses dankbaren, eigenartigen und aufregenden Stoffes bemächtigt hat. – Im ältesten, südlichen Teil der auf einer Halbinsel liegenden Stadt Neuyork steht in der Moulberry-Straße langgestreckt ein zweistöckiges, völlig schmuckloses Haus, das im Jahre 1801 erbaut worden sein soll. Seit seiner Entstehung gehört es der Familie Brandome, eingewanderten Franzosen. Drei Jahrzehnte beherbergte es im oberen Stock eine Freimaurerloge, bis diese sich ein eigenes Heim suchte. Der letzte Brandome, Philipp mit Vornamen, war ein Geizhals und Sonderling. Von seiner Sechszimmerwohnung im oberen Stockwerk – im ganzen enthielt das Haus zehn Wohnungen verschiedener Größe – vermietete er stets fünf Zimmer möbliert. Diese Wohnung lag auf der Ostseite des einer Kaserne gleichenden Gebäudes, in dem zumeist nur ältere Leute, bescheidene Rentner und dergleichen, hausten. Jüngere Mieter nahm Philipp Brandome nie auf. – Im Mai des Jahres 1922 fand nun der Neuyorker Privatdetektiv Nic Pratt eines Morgens in seinem Briefkasten ein Schreiben folgenden Inhalts: Ich rate Ihnen dringend, sich einmal für ein paar Wochen bei Mr. Brandome, Moulberry-Straße Nr. 9, einzumieten. Legen Sie am besten die Maske einer älteren, bescheidenen Dame an, was Ihnen ja

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