Chapter

Erstes Kapitel.

Iwan Akimowitsch Samgin war ein Freund des Originellen; als seine Frau ihm den zweiten Sohn geboren hatte und Samgin am Bett der Wöchnerin saß, beteuerte er ihr unaufhörlich: »Weißt du, Wera, wir geben ihm einen seltenen Namen. Wir haben die ewigen Iwans und Wassilis satt, wie?« Die von den Geburtswehen erschöpfte Wera Petrowna antwortete nicht. Ihr Gatte richtete seine Taubenaugen auf das Fenster, zum Himmel, wo die windzerfetzten Wolken bald an Eisgang auf dem Fluß, bald an die zottigen Hügel im Moor erinnerten. Dann zählte Samgin besorgt auf, die Luft mit dem kurzen, rundlichen Finger durchbohrend. »Christophorus? Kirik? Wukol? Nikodemus?« Jeden Namen vernichtete eine ausstreichende Geste, und nachdem er so ein gutes Dutzend ungebräuchlicher Namen durchgegangen war, rief er befriedigt aus: »Samson! Samson Samgin – ich hab's! Das ist nicht schlecht! Name eines biblischen Helden, und der Nachname – oh, mein Nachname ist originell!« »Rüttle nicht am Bett«, bat leise die Frau. Er entschuldigte sich, küßte ihre Hand, die kraftlos und seltsam schwer war, und horchte lächelnd auf das böse Pfeifen des Herbstwinds und das klägliche Winseln des Kindes. »Ja – Samson! Das Volk braucht Helden! Doch – ich werde noch einmal nachdenken. Vielleicht... Leonid?« »Sie ermüden Wera mit Kleinigkeiten«, bemerkte strenge Maria Romanowna, die Hebamme, während sie das Neugeborene wickelte. Samgin

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