Vorwort an das Enkelkind
In den wenigen Jahren, die mir noch zugemessen sein mögen, will ich die Begebnisse meines langen Lebens sorgfältig aufzeichnen – nicht, um sie vor neugierige Leser an Tag zu geben, nur dir, mein liebes, fernes Enkelkind, sollen sie für Augen kommen, dass du aus diesen Blättern ersehest, wer dein Ahn gewesen, was für ein Mann, den du nie mit Leibesaugen erblicket, von dem du aber wohl mancherley, dass er ein unguter, gottloser, treuloser Mensch, ja gar ein Mörder sey gewesen, wirst vernommen haben, und dies alles aus dem Munde deines eigenen Vaters, meins herzliebsten Sohnes, der doch gestorben ist, meiner fluchend, obwohl ich ihn gar oft bittweis angegangen, dass er mich wolle geruhig anhören und dann erst richten. Aber er hat nit wollen. So hab ich's auf mich genommen, zu viel anderm, das ich hab tragen; war so viel, dass ich die Last mehr kaum sonderlich verspüret. Dich, mein liebes Enkelkind, bitte ich alter Mann gar herzinnig: du wollest nicht in vorschneller Jugendart meine Schrift von dir weisen! Lies, was dir ein alter Mann aufgeschrieben, so, als sey es ein gedrucktes Buch von einem Scribenten, den du 6 nicht kennest. Und gedenke auch, dass dein Ahn schon lange unter der Erden ruhet, wenn einmal du diese Blätter wirst in Händen halten. Und dann erst, wenn du sie alle gelesen, mögest du richten über deinen Ältervater, der in seinem langen Leben ist sehr, sehr unglücklich