Versailles
Manchmal hebt das Schicksal beide Hände voll aus der Fülle der Dinge dieser Erde und wirft ihren ganzen Inhalt in ein einzig Menschenherz, als ob es prüfen wollte, wieviel es an Glück ertrage – oder an Leiden. So geschah es einem kleinen, deutschen Menschenkinde einmal, das freilich vorherbestimmt schien zu ungewöhnlichem Erlebnis. Denn Jakob Auberger wollte, in der großen Zeit der Enzyklopädisten, in Paris und dabei noch an bänglichster und größter Stelle, Philosoph werden. Philosoph: das tiefste und höchste, was ein Mensch zu werden vermag. Und dies unter den widrigsten Hindernissen obendrein. Denn erstens war er ein hübscher Junge, wußte sich gut zu geben und war überall beliebt. Schon das verführt zum Weltkinde; und daß er noch so jung war, trotz all seinem Talent, das war ein zweites, gewaltiges Hindernis. Das größte aber war dieses: Er war Musikant. Geiger, liebe Mitfühlende! Hat jemals ein Mensch einen Geiger erlebt, der Philosoph zu werden vermocht hätte? Konnte er's, dann war er sicherlich kein Geiger. War er Geiger, dann ward er nie ein Philosoph. Aber manchmal stellen sich Menschen, die es leicht hätten, schön zu leben, die verrücktesten Themata zur Lösung obenhinauf und folgen ihnen dann, in einer »Fuga«, die nur ihnen selber Spaß macht. Jakob Auberger sagte es sich selber, daß er, im Vollbesitze der Musik, als erlesener Lieblingsjünger des Ritters Gluck, als