Chapter

I. Fur Altar und Thron

Die Fledermäuse, welche in der alten, verfallenen Klause des Signor Lorenzo heimisch waren, konnten getrost ihre angeborene Scheu ablegen und, von Menschen oder Tierstimmen ungestört, das graue Gemäuer umflattern, so totenstill lag »Il Castello« wiederum inmitten der knorrigen Steineichen, so schläfrig ragte der halbverfallene Turmstumpf zum blauen italienischen Himmel empor. Was wollten auch helle Silberstimmen wie die der lieblichen Ginevra, was so muntere, sonore Laute, wie sie aus der Brust unseres Freundes Simone Moretto kamen, hier auf dieser Stätte, wo Melancholie, Einsamkeit, Verfall, Menschenscheu sich ein Stelldichein gegeben zu haben schienen, wie man effektvoller es sich gar nicht vorzustellen vermag? Selbst Cerbero, der getreue Wolfshund, dessen struppiges und schäbiges Fell die Symmetrie seiner Umgebung keineswegs störte, schien einzusehen, daß der Todeshauch totaler Vereinsamung, welcher verdorrend über diese verwahrloseste aller Menschenwohnungen dahinstrich, die einzige vernünftige und angemessene Atmosphäre sei, in welcher ein Hausgenosse des alten grauköpfigen Geizhalses zu atmen vermöge. Er lag unter dem halb blätterlosen Maulbeerbaum, der inmitten des Hofes stand und blinzelte mit einem Auge schläfrig empor, als wundere er sich, daß der Baum keinen Schatten zu spenden beliebte. Wer etwa mitten aus dem Gewühle einer Großstadt oder selbst aus dem

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