Chapter

Die Fürstin Camilla

Ein düsterer Winterabend dunkelte über Paris. In launischem Mischmasch stöberten Schnee und Regen aus dem grauschwarzen Gewölke herab und ein schneidender Nordostwind, der als Bundesgenosse die Straßen und Boulevards entlang fegte, spornte die Beine von Mensch und Tier zu einem nur noch beschleunigteren Marschtempo. Die »Elyseischen Felder« trugen an diesem Abend ihren mythologischen Namen wie zum Hohn, denn für einen »Lustort der Seligen« gaben die kahlen, ächzenden Bäume und die im Gaslicht sich spiegelnden Regenpfützen eine schlechte Staffage ab. Hier und da in den öden Alleen eine katilinarische Existenz, auf der Glücksjagd nach einem Schlupfwinkel oder einem Abendbrot – vielleicht auch Schlimmeres planend; an dem einen oder andern Kreuzweg ein verdrossen dreinschauender Sergent de Ville; zeitweise der weltmüde Hufschlag eines Fiakergaules oder der sausende Räderschwung einer herrschaftlichen Karosse: auf dieses Minimum reduzierte sich das ganze Leben und Weben, das zu andern Jahreszeiten die Baumgänge bis nach Mitternacht durchlärmt und durchschwärmt. Die Südseite der Champs-Elysées begrenzt die Seine; Regengüsse hatten den Fluß hoch angeschwellt und sein dumpfes Rauschen paarte sich mit dem Heulen des Windes zu einem Konzert, das sich am besten hinter soliden Doppelfenstern und einem wohlgeheizten Ofen anhörte … Ähnlich der Tiergartenstraße zu Berlin, bilden auch die

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