Erstes Kapitel
Es ist im Jahre 1862. – Hinter uns liegen die großen Ereignisse der drei vorausgegangenen denkwürdigen Jahre, Ereignisse, die, wenn auch auf italienischem Grund und Boden zum Austrag gebracht, ihre Wellenringe weit über die Grenzen der Halbinsel hinauszogen und das bisherige Gleichgewicht Europas da und dort verrückten. Hinter uns liegen die blutigen Schlachttage von Magenta und Solferino, wo Louis Napoleon, mit Piemont gegen Österreich verbündet als»Makler«, um mit Bismarck zu reden, eine so höchst fragwürdige Ehrlichkeit entwickelte. Hinter uns liegt die von Louis Napoleon erstrebte und erreichte Annexion von Nizza. Cavour hatte, seinen eigenen Grimm unter der Maske diplomatischer Kälte verbergend, gesagt:»Es muß sein«… Garibaldis Zorn war machtlos gewesen. Gaëta, der letzte Zufluchtswinkel der bourbonisch-neapolitanischen Königsfamilie, hatte unter dem Bombardement der piemontesischen Kriegsschiffe und Landbatterien kapituliert; die mehr als hundertjährige Herrschaft der Bourbonen in Italien war damit zu Grabe getragen und der Hesperidengarten also wenigstens von diesem Ungeziefer gesäubert. Am Abend des 13. Februar 1861 hatte Gaëta, nach einer hunderttägigen Belagerung, die Flagge gestrichen, und dadurch die Entstehung des neuen, geeinigten Königreichs Italien tatsächlich besiegelt. Auch war Cavour nicht säumig gewesen, das heiße Eisen zu schmieden; schon vor der