Chapter

Erstes Kapitel

In die Enge der Gassen war die Sonne noch nicht hinabgedrungen. Denn tief unten im Talspalt liegt die Stadt neben den Fluß gequetscht, ein Haufe altersgedunkelter Schieferdächer. Finster blickt ein verfallener Wachtturm auf Kirche und Apotheke am Markt nieder. Und von der anderen Seite am jenseitigen Berghang schaut die alte Burg herunter in den Alltag der Bürgerhäuser und der klingenden Ladentürchen, der rauchenden Fabrikschlöte und der gellenden Dampfpfeife, des gemütlichen Schwatzens der Skatbrüder beim Schoppen, des Weibergeträtsches und des Sporenklirrens der Herren vom Schießplatz, die ihre freie Zeit benützen zu einer Flasche Sekt und einem guten Diner bei der schönen Helene im »Weißen Schwan«. Der »Weiße Schwan« war heute so wie immer der Sammelplatz. Vor seiner verschnörkelten Barocktür, darüber ein Schwan schon ein Jahrhundert sich schaukelt, drängten sich die Herren. Alle in Zylinder und schwarzen Röcken; doch auch einige Uniformen waren unter dem feierlichen Schwarz. Der Wirt vom »Schwan« war gestorben. »Armer Kerl«, sagte Adjutant von Scheffler, der eigens vom Platz herunterbeordert worden war, das Offizierkorps zu vertreten. »War immer höchst fidel. Und engherzig in keiner Weise – nee, wahrhaftig nicht!« Er lächelte flüchtig. Der junge Leutnant Abeking lächelte auch; er konnte das Lächeln nicht unterdrücken, das ihm kam, wenn er der vorigen Sonntagnacht gedachte,

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