Chapter

Kapitel 1

... Endlich ward die kleine Seele bezwungen, so sehr sie sich auch wehrte, so sehr sie auch entfliehen wollte aus dem kleinen, gebrechlichen Körper... Und dann wurde sie schließlich still ... so still und ruhig, daß man ihrer fast vergaß. Aber der kleine Körper wurde gehegt und gepflegt ... Den vergaß man nicht ... Nie. Und so wuchs und gedieh er zur Freude der Eltern. Das kleine Neutrum wurde ein Femininum – nicht mehr »es«, sondern »sie«, und man nannte sie jetzt »Püppchen«. Püppchen lernte Papa und Mama sagen, aber erst nach vieler Quälerei. Püppchen bekam weiße, schauderhaft gestärkte Kleidchen mit grellblauen oder grellrosa Achselbändchen, die sie mutwillig immer wieder aufband, vielleicht aus unbewußter Opposition eines angeborenen Geschmacks. Püppchen lernte »bitte, bitte« sagen und Knixe machen. Gar bald lernte Püppchen noch etwas, was durchaus nicht im elterlichen Programm vorgesehen war: Püppchen lernte das Wörtchen »Ich will«. Pädagogisch hieß es darauf: Kinder dürfen wünschen, nicht aber wollen. Und Püppchen sagte von nun ab ganz artig: »Ich wünsche will...« Dabei blieb sie sehr lange, und weil es drollig klang, ließ man es dabei bewenden. Mit Kinderpsychologie befaßte man sich nicht. Die Eltern gehörten ja zum Teil noch der alten guten Schule an: Ordnung, warme Füße, kühler Kopf. Dies waren die Grundprinzipien gedeihlicher physischer und psychischer Entwicklung.

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