Erstes Kapitel
Rechtsanwalt Heiling erreichte den Stadtbahnzug auf dem Bahnhof Börse noch im letzten Augenblick. Jetzt, wo die Millionenstadt Berlin nach dem abendlichen Geschäftsschluß das unzählige Heer der Angestellten ausspie wie ein übersättigter, müder Moloch, waren die Züge nach den westlichen Vororten mehr als überfüllt. Aber Ernst Heiling hatte Glück. Wie er sich noch mit knapper Not in ein Abteil zweiter Klasse hineinschwang, winkte ihm zwischen einer älteren Dame und einem fast überelegant gekleideten Herrn ein freies Plätzchen. Er setzte sich, rückte den von dem eiligen Lauf etwas nach vorn gerutschten Klemmer auf seiner schmalen, feingebauten Nase an die richtige Stelle und entfaltete die Abendzeitung. Seine Aktenmappe, in der sich dringende Papiere befanden, die er daheim erledigen wollte, stellte er neben sich. Aber zum ungestörten Genuß der Blätter sollte er sobald nicht kommen. Sein Nachbar, in dessen fahlem Gesicht das Einglas wie festgemauert saß, duftete derart aufdringlich nach einem süßlichen Parfüm, daß der Rechtsanwalt sich schleunigst eine Zigarette anzündete, obwohl die Luft in dem Abteil bereits von Rauchschwaden erfüllt war und Heiling sonst schon aus Rücksicht auf die anwesenden Damen auf seine geliebte Manoli verzichtet hätte. Doch dieser widerlich süße Duft, der seine Nase fortgesetzt belästigte, war anders nicht zu ertragen. Als die Zigarette brannte, lehnte er