Das Kaiseressen
Orden sind Dinge, die manchen ehren und viele lächerlich machen, denn sie sind nur ernst zu nehmen, wo sie ein wirkliches Verdienst belohnen; ist das nicht der Fall, sind es Almosen, die der bettelnden Eitelkeit gereicht werden. Wie mancher läuft wie ein prämiiertes Schaf in der menschlichen Herde herum, weil er einmal einem König die Stiefel wichste oder bei der Reise eines Fürsten im Gefolge mittrotteln durfte; weil er eine hübsche Schwester hatte oder bei loyalen Kundgebungen den Mund so weit aufriß, daß man ihm bis in den Magen sehen konnte. Er ist stolz auf sein verstopftes Knopfloch und fühlt nicht, daß er die drollige Figur unter ernsten Leuten spielt. Diese Sorte Dekorierter ist zahlreicher als man annimmt, und sie erwecken den Neid armer Schlucker, die unbebändert am Wege stehen und sehnsüchtig nach einer der vielfachen Auszeichnungen für mangelnde Verdienste ausschauen. Auch Herr Gänseklein fühlte sich tief unglücklich über sein schmuckloses Dasein, zumal seine Kegelbrüder mit Stolz auf ihre Viertklässer deuten konnten. Der Herr Stationsvorsteher, der Herr Zollkontrolleur, der Herr Kanzleirat, sogar der Herr Sterilisationsdirektor und der Herr Badwannenfabrikant, sie alle waren vor ihren Nebenmenschen kenntlich gemacht, nur Herr Gänseklein nicht. Das schmerzt, das tut wehe! Namentlich wenn man sich durch tadellos devote Haltung ausgezeichnet, vor jeder leeren