Sobaka (der Hund).
Das Gut der Sobatschnikoff ist eines der schönsten im Gouvernement Smolensk. Es heißt so nach dessen ersten Besitzer aus der Familie Sobatschnikoff. Freilich wurde der meist »Sobaka« genannt, was so viel wie Hund bedeutet. Und ein Hund war er. Schon daß er nicht trank und nicht spielte wie alle früheren Gutsbesitzer, nahm die Bauern gegen ihn ein, denn man durfte nie etwas von seiner guten Laune erwarten. Launen hatte er überhaupt nicht. Nur eine unbezwingbare Habsucht. Ein hübsches Weib aus dem Dorfe mußte ihm ebenso gehören wie der gut bestellte Acker eines Bauern. Dazu waren ihm alle Mittel recht. Er verlieh Geld an die Bauern, ohne wie der Schankjude hohe Zinsen zu nehmen, aber wenn sie ihn nicht bezahlen konnten, jagte er sie unbarmherzig vom Hof oder stellte ihnen die härtesten Bedingungen. Das halbe Dorf war auf diese Art in seinen Besitz übergegangen und die meisten Bauern waren ihm untertan wie Leibeigene. Daß sie nicht die Knute von ihm bekamen, war der einzige Unterschied. Dafür sorgte aber auch niemand im Winter für sie, und sie mochten sehen, wie sie allein fertig wurden. Wenn ihnen dann der Hunger den Leib auftrieb wie Wassersüchtigen und sie aus den Kehrichtseimern der Gutsherrschaft ein paar Abfälle für sich herauskratzten, dann hätte manch einer ein paar Knutenstreiche für einen Teller heiße Kohlsuppe eingesteckt. Übrigens ließ sich Sobaka nur selten sehen.