Vorwort
Die vorliegende Legendensammlung, die aus verschiedenen, frühen Quellen geschöpft wurde, will nicht als kritischer Beitrag für die Literaturgeschichte der Legende betrachtet werden. Das tiefere Wesen der Legende, ihr Geist läßt sich nicht durch Studium und Wissenschaft erschließen, sondern ergibt sich lieber dem unbefangenen Leser, der mit staunender Freude die Wunderwelt des Heiligen betrachtet, die einem verwunschenen Zauberwald gleicht, dessen märchenhafte Schönheit uns anzieht. Die Auswahl der Legenden ist nach rein persönlichem Geschmack getroffen worden. Wir waren darauf bedacht, ein Stück echte, volkstümliche Poesie in Verbindung mit dem religiösen Empfinden und Erleben in farbenfroher Mannigfaltigkeit zu zeigen. In unserer lauen, zum Teil glaubenslosen Zeit wollen wir auf den kostbaren Schatz der Vergangenheit zurückgreifen, die edlen Früchte betrachten, die der christliche Glaube selbst hervorgebracht hat. Wohl mag es für den Kunstfreund reizvoll und anregend sein, die Legende daraufhin zu betrachten, wie sie im Lauf der Jahrhunderte für die Literatur, besonders für das Volksmärchen, aber auch für die bildende Kunst, für die Malerei und Bildhauerei bahnbrechend und bestimmend wurde, wie dies noch heute der Fall ist. Schöner aber noch mag es sein, sich dem Urquell der Legende selbst hinzuneigen, denn die Ursache der Legende ist ja das göttliche Leben. Die Heiligen