Chapter

Erster Teil

Michael Fürbringer erwachte, als die Uhr im Nebenzimmer zehn schlug. Er war allein. Auf dem Tisch am Kopfende seines Bettes brannte die Lampe unter einem goldfarbenen Seidentuch und ließ den großen Raum in sehr sanfter Dämmerung. Das Fenster stand halb offen, und der eindringende Windhauch brachte den Duft der blühenden Weiden und der regenfeuchten Erde mit. Das Schlagen der Kirchenuhren, ferner und naher, vermischte und entwirrte sich ernst und anmutig und ließ die folgende Stille vollkommener erscheinen, als sie vordem gewesen war. Michael Fürbringer lag auf dem Rücken ausgestreckt und spürte in allen Gelenken die wohlige Erschöpftheit nach dem großen Kampf mit dem Tode. Nun war er ausgekämpft. Er lebte. Er fühlte das noch matte, doch zuverlässige Schlagen seiner Pulse mit einer etwas schwermütigen Zärtlichkeit gegen diesen tapferen Rhythmus des Lebens. Er wußte nicht, wie lange er krank gewesen war. Das Fieber war sein Meister geworden und hatte das Augenblickliche gegenstandslos gemacht. Endlose Wegstrecken hatte er durchwandert, gehetzt und verdurstend, den eigenen Körper schleppend als zu schwere Last. Eine fürchterliche Sonne hatte scheitelrecht über seinem Kopf gestanden und ihm das Hirn aus dem Schädel gesogen. Hinter dicken, trüben Glaswänden hatte er Menschen gesehen, die sich über ihn beugten, bekannte – unbekannte … Das Gesicht des berühmten Arztes, das die

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