Das Hya-Hya-Mädchen
Was er da niederschrieb, hatte ihm seine Pflegerin erzählt. Soeur Victorine hieß sie – aber Dr. Bonhommet, der alte, augenzwinkernde Arzt, nannte sie nur Dariolette. Das verstand sie nicht, und kein Mensch verstand es in St. Maria, noch in allen fünf Landen Guayanas. Die Wahrheit zu sagen: Wer hätte es heute verstanden drüben in Europa und wer selbst in Paris? Der Deutsche, den sie pflegte, hörte den hübschen Namen: Dariolette. Das klang in seinen Fieberträumen – leicht, schmeichelnd, wie Vogeltrillern –, Dariolette. Dann wußte er: Er kannte es wohl, dieses Wort. Nicht gehört hatte er es, nein, aber doch gesehn irgendwo – Dariolette. Wo nur? Immer klang es um ihn herum, durch lange Wochen ums Krankenbett, immer sang es in halbwachem Schlafe – Dariolette. Er murmelte es mit trockenen Krankenlippen, hörte die Blätter draußen rascheln, fern vom Fenster her – Dariolette. Dann, einmal, als Dr. Bonhommet ihm den Puls fühlte, flüsterte er das lachende Wort. Da zwinkerte der alte Arzt, lächelte fast. Und in diesem Augenblick wußte der Deutsche, woher er den Klang hatte: Dariolette; es war, als ob ihm der Alte den Staub im Hirne weggeblasen habe. Den Staub von dem Schubfach seines Gedächtnisses. »Amadis von Gallia« – der weltberühmte Roman, den so begeistert einst Don Quijote las. Und den er selbst las, weil Cervantes von ihm sprach, und weil ein deutscher Student doch so gründlich sein