Erster Theil - I. Einleitung
Es ist Ihnen gewiß schon vorgekommen, lieber Leser, daß Sie nach einer bei Vergnügen oder Arbeit halb durchwachten Nacht in Ihrem gänzlich geschlossenen Zimmer, in welches kein Lichtstrahl drang, die Augen aufschlagen und zwar in dem Augenblicke, wo die brennenden Strahlen der Augustsonne in Feuercataracten draußen an den Wänden Ihrer Wohnung herabfielen, dann am Schlage Ihrer Uhr erkannten, daß es schon spät am Tage sey, aus dem Bett sprangen, halb im Dunkel, halb noch im Schlafe forttappten, stolpernd das Fenster erreichten, dasselbe aufmachten und mit beiden Händen den Laden aufstießen. Da befanden Sie sich dem Gestirn mit dem Flammenantlitze gegenüber und wichen von dem Lichtmeere draußen überströmt und geblendet zurück. Jedem, der emsig und fleißig die Geschichte des Mittelalters studiert bat, erscheint das sechzehnte Jahrhundert so leuchtend, so flammend, so glänzend, so ähnlich dem Sonnenschein nach der Nacht. In dem Alter der Welt, in den Jahreszeiten der Menschheit, die nicht nach Monaten zählen, wie die Jahreszeiten der Erde, sondern nach Jahrhunderten und Jahrtausenden, ist das sechzehnte Jahrhundert in der That der Frühling der neueren Zeit, wie das Zeitalter des Perikles der Frühling der alten Zeit war: die alte Welt erwärmt sich an der Sonne der neuen; der eingeschlummerte Katholicismus erwacht unter der Berührung mit der neuen Religion, und wie die Strahlen des