Erster Teil
Lilly war gerade vierzehn Jahre alt, als ihr Vater, der Kapellmeister Kilian Czepanek, eines Tages verschwand. Und das kam so: Er hatte tagüber Klavierstunden gegeben, dazwischen geflucht und Selter mit Mosel getrunken, – denn es herrschte eine barbarische Hitze, – war auch ab und zu ins Speisezimmer gewutscht, um einen Kognak zu heben oder die Lavallierekrawatte zurecht zu rücken, hatte Lilly, die über ihren französischen Vokabeln brütete, dabei die braunen Hängelocken gezaust und war hierauf von neuem nach der guten Stube hin verschwunden, wo die Schülerinnen von Stunde zu Stunde wechselten und nur die Dissonanzen und die Flüche blieben. Als das letzte Unglückswurm sein Pensum abgehaspelt und die Flurtür hinter sich zugeschlagen hatte, war er nicht mit dem üblichen Zorn und dem üblichen Hunger wieder zum Vorschein gekommen, sondern war von vornherein in der guten Stube geblieben, wo er heute weder pfiff noch weinte, noch auf den Tasten sich sattraste, wie es sonst nach vollbrachtem Tagewerk wohl geschah, sondern im Gegenteil kaum ein Lebenszeichen von sich gab. Ab und zu ein tieferer Atemzug – sonst nichts. Lilly, die alles, was ihr schöner Papa tat oder nicht tat, eifrig beschäftigte, ließ das Vokabelbuch vom Schoße gleiten und schlich ans Schlüsselloch. Durch dieses sah sie ihn vor dem großen Pfeilerspiegel stehen, in ein aufmerksames Selbststudium vertieft. Ab und zu erhob