Der Ball
Hastiger als gewöhnlich und in sichtlicher Erregung stieg der pensionierte Landgerichtspräsident von Butlar die Treppen zu seiner Wohnung empor. Seit langer Zeit hatte der alte Herr seinen Abendschoppen nicht so frühzeitig verlassen wie heute, und die Veranlassung, die ihn bestimmt hatte, die liebgewordene Erholung abzukürzen, konnte nur von unangenehmer Natur gewesen sein. »Ist der Regierungsrat Mangold schon da?« fragte er das Dienstmädchen, das ihm behilflich war, den Überrock auszuziehen. »Und wo ist meine Frau?« »Die gnädige Frau hilft dem Fräulein bei der Toilette. Der Herr Regierungsrat ist aber noch nicht gekommen.« Die Wohnung des Präsidenten hatte nur wenige Zimmer, und ihre Ausstattung war von geradezu auffälliger Einfachheit. Dieselben schlichten Möbel, Bilder und Teppiche, mit denen vor vielen Jahren der Kreisrichter von Butlar ein bescheidenes Heim für sich und seine junge Frau eingerichtet hatte, machten noch heute fast den gesamten Inhalt und Schmuck der beschränkten Behausung aus. Weniges nur war im Lauf der Zeit hinzugekommen, und auch diese neueren Erwerbungen, zumeist gegenseitige Geschenke der Ehegatten bei festlichen Anlässen, gaben beredtes Zeugnis von dem einfachen, anspruchslosen Sinn ihrer Geber und Empfänger. Nach dem Hofe hinaus, neben dem Schlafgemach der Eltern, lag Fräulein Erika von Butlars schmales, einfenstriges Stübchen, und dahin lenkte der