I.
Auf der steinernen Vortreppe des alten, hochgiebeligen Gasthauses zum »Pfauen« spielte das flachsschopfige Heleneli Gyr. Der »Pfauen« war das stattlichste Gebäude unter den ansehnlichen Häusern, die im waldumfangenen Bergdorfe Maria Einsiedeln dem doppeltgetürmten Kloster gegenüberstanden. Von seinen Fenstersimsen nickten Blumen, und das mächtige Schindeldach hatte sich über das Haus gelegt wie die Fittiche eines Riesenvogels. Das Heleneli war das einzige Töchterchen der aufrechten Pfauenwirtin, die man nicht nur in der Eidgenossenschaft, sondern auch weitum in deutschen und welschen Landen, von Tirol bis ins tiefste Frankreich hinein kannte. Sah ihr Gasthaus auch eher wie ein gutes altes Patrizierhaus aus, so war es gleichwohl das gesuchteste Absteigequartier der Wallfahrer, unter denen sich gar oft vornehme fürstliche Herren und Frauen befanden. Infolge der Revolutions- und Kriegswirren der letzten Jahre blieben die Pilger aber immer mehr aus. Nur aus Frankreich eilten sie, unter ihnen viele Flüchtlinge, seit der Hinrichtung ihres Königs Ludwig XVI. zahlreicher als je ins 2 schweizerische Hochtal, um bei Notre Dame des Hermites tröstlichere Zeiten für ihr Land zu erflehen. Jetzt warf das Heleneli seinen Holzball hochauf; aber als es ihn wieder auffangen wollte, bekam es einen leichten Stoß; der Ball kugelte die Treppe hinunter und wurde blitzgeschwind von einem kleinen