Erstes Kapitel.
David Deans war, wie im letzten Kapitel des ersten Bandes schon gesagt worden, von Frau Saddletree aufgenommen und in ihrer guten Stube gebettet worden. Auf die Ohnmacht, die ihn im Gerichtssaale beim Schlusse der Verhandlung befallen, war eine tiefe Schwäche gefolgt, und es hatte geraume Zeit bedurft, bis er das Bewußtsein wiedererlangte. Seine ältere Tochter saß stumm und starr an seinem Bett. Die Vorhänge waren zugezogen, die Fensterläden geschlossen, als Frau Saddletree, nachdem sie sich ihrer andern Gäste entledigt, bei ihnen eintrat. Sie war eine gutmütige Frau, aber keine Frau, die zarte Rücksichten kannte; so zog sie ohne weiteres die Läden in die Höhe, schob den Bettvorhang zurück und trat zu dem alten Manne, hieß ihn sich aufrichten und sich ermannen. Leid, das über den Menschen komme, müsse er eben tragen, sagte sie; da könne nichts helfen. Aber er konnte sich nicht aufrecht halten, seine Hand sank, als die Frau sie losließ, kraftlos auf das Bett, und die Stimme versagte ihm. »Ist's zu Ende?« fragte Jeanie die Frau, bleich wie der Tod, »besteht keine Hoffnung mehr?« – »So gut wie keine,« versetzte Frau Saddletree, »ich hab das Urteil noch mit angehört. Viel gehört wahrlich nicht dazu für diese Sippe in ihren schwarzen Kaftanen, einem armen, harmlosen Dinge das Leben abzusprechen. Viel hab ich nie auf sie gehalten, auf dieses Gevattervolk von meinem Manne, wie ich sie