Einleitende Betrachtungen
Einleitende Betrachtungen Wenn man ein Werk, das mehr als dreieinhalb Jahrhunderte alt ist, in ungeminderter Jugendfrische vor sich sieht, so mag einen wohl der Gedanke beschleichen, welchen Vorzügen es am letzten Ende seine Lebenskraft verdankt. Wir leben in einer Zeit, die uns jährlich mit Bergen von Büchern und anderen Kunsterzeugnissen beschenkt, deren größter Teil in unglaublicher Eile lautlos, sang-und klanglos in den Orkus verschwindet oder sich höchstens nach einiger Zeit noch als Einschlagpapier bemerkbar macht. Wir sehen Tagesgrößen auftauchen, sehen sie vergehen ohne mit der Wimper zu zucken. Wir sind voll Zweifelsucht, wenn wir jemanden ›unsterblich‹ nennen hören. Ja wir spotten über die ›Unsterblichkeit‹, die einem Spaßvogel zufolge ›selten länger als vier Jahre dauert und von vielen Besitzern dieses Titels gar oft überlebt wird‹. Wir leben uns in die Vorstellung hinein, daß unsere Zeit so ›schnellebig‹ ist, daß sie die solidesten Größen über den Haufen – lebt, und wir lassen uns mit großer Selbstzufriedenheit beweisen, daß vor dem Glanze unseres Jahrhunderts, unserer unvergleichlichen Fortschritte und Errungenschaften auch der widerstandsfähigste Ruhm vergangener Zeiten verblaßt, um neuen Erscheinungen Platz zu machen. Alles das sind billige Trostesworte, die unsere unproduktive Gegenwart über ihre Unfähigkeit täuschen sollen, Scheingründe, die gleichermaßen