Chapter

Das Heckenröschen von Otta

Rüstigen Schrittes ging das braune Mägdelein dem Walde zu, den breiten Binsenkorb am Arm. Heiß brannte die Mittagssonne auf die Hochebene, die sich schräg vom Abhang des Sanico bis zum steilen Ufer niedersenkt, von dessen Rand wie von einem Bollwerk das Dorf Otta südwärts auf das Hügelgelände von Vico, gen Niedergang auf den Gau von Porto hinabschaut, bis wohin die Meeresflut brandend und wogend den tiefen Golf hineingespült hat. Die See sandte keinen auch noch so leisen Hauch ihres erfrischenden Atems, und kein Lüftchen bewegte die stachligen, glänzenden Blätter der Steineichen im Gehölz von Palma. Dennoch waren der runden Dirne weder Mißmut noch Müdigkeit anzusehen, munter blickten ihre schwarzen Schelmenaugen unter dem breitränderigen Strohhut hervor und das frische Antlitz mit den roten Wangen und Lippen lächelte gleich der wilden Rose vom dornigen Hag, von welcher sie den Namen trug. Die Last am Arm ward ihr so wenig schwer, als der Weg ihr zu weit vorkam, den sie so gerne betrat. Sie hätte schon die Mühe nicht gescheut, ihrem Bruder und ihrem Vetter, die im Gehölze arbeiteten, die Kost zuzutragen, und freudigem Herzen verlängerte sie ihren Pfad, um vorher ein Werk der Barmherzigkeit zu üben. »Wie glücklich fühl’ ich mich,« sprach sie zu sich selber. »Eine reichlichere Gabe von Öl brachte ich noch nie zusammen, und kann diesmal auch Wein hinzufügen zur Erquickung des

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