Ein verlockendes Angebot
Unser letztes Abenteuer in dem kleinen englischen Seebade Shenton hatte an unsere Nerven doch so hohe Anforderungen gestellt, daß Harald Harst sich entschloß noch eine Woche in Shenton sich zu erholen. Wir mieteten uns bei dem Leuchtturmwächter Mac Owen, einem alten Seemann, ein, dessen Häuschen am Fuße des Leuchtturmes am Ende der Ostmole lag. Zum Schein waren wir abgereist. Nur Mac Owen wußte, wen er beherbergte. Am 3. Juli saßen wir vormittags auf einem der Granitquadern, die vor der Molenspitze als Wellenbrecher versenkt waren, und angelten. Es war windstill, und die schwachen Wellen störten uns beim Angeln nicht sonderlich. Harsts Schwimmer schoß in die Tiefe. — Er ruckte hart an. »Entwischt!« meinte er. »Ah — der Haken hat jetzt scheinbar ein Stück Treibholz aufgespießt,« fügte er hinzu. Er legte den Angelhaken beiseite und zog die feste Seidenschnur langsam ein. Plötzlich gewahrten wir gleichzeitig unter der grünen Oberfläche des Wassers das wallende Haar einer Frauenleiche. »Klettere hinab,« meinte Harald. »Ich werde den Körper vorsichtig näher ziehen. Der Haken hat sich an der Schulter verfangen.« Gleich darauf legten wir die Tote auf die Mole. Es war eine dunkelhaarige Frau von etwa vierzig Jahren, in eine Art Sportkostüm gekleidet. Die Leiche war noch gut erhalten. Aber — die Füße, die in zierlichen Lackhalbschuhen steckten, waren mit einem Strick zusammengebunden.