Das Haus des Sonderlings
Die drei Linden, die der kleinen Wirtschaft des Herrn Sebastian Lagler den Namen gaben und seinen »Gastgarten« bildeten, waren über Nacht erblüht. Ihr Duft mischte sich mit dem Geruch frischgekochten Kaffees, den der Wirt eben eigenhändig zu dem einzigen Gast trug, der unter den Linden saß und behaglich die Stille des Morgens auf sich wirken ließ. »Nicht wahr, Herr, das schmeckt,« fragte er dann nach einer Weile stolz lächelnd. »So ein unverfälschter Trank und in der frischen Luft heraußen!« »Ja, der Kaffee ist gut. Besonders, wenn man vorher schon drei Stunden bergauf und -ab marschiert ist und dann unerwartet auf ein so nett gelegenes gastliches Haus stößt. Komisch, daß ich von diesen »Drei Linden« noch gar nichts wußte!« »Das kommt, weil wir nicht an der großen Straße liegen, die sonst den Strom der Ausflügler aufnimmt. Meine Wirtschaft ist nur für die Wenigen da, nicht für die Vielen.« »Oho! Mir scheint gar, Sie sind Philosoph, Herr Lagler?« lachte der Gast, seine klaren, blauen Augen verwundert auf den dicken Wirt richtend. Auch dieser lächelte, aber verlegen. »Was Sie damit meinen, weiß ich nicht recht, Herr. Aber die Wahrheit ist, daß ich mir aus dem Sonntagspublikum nichts mache, sondern es mehr mit Leuten halte, die wie Sie, nach einem Spaziergang müde und hungrig bei mir einkehren. Das sind meist ruhige, gebildete Leute, die wenig Lärm machen und zu schätzen wissen,