Erstes Kapitel
Draußen wütete der Wirbelsturm, jagte Eiskörner gegen die Scheiben. Ich ließ die Hand mit dem amtlichen Schreiben des Gerichts in Palmburg sinken. Meine Augen wanderten von dem Papier zu dem Brotrest hin, der auf einem Pappteller neben der Petroleumlampe lag. Es war, als wanderten diese Augen von einer glücklichen Zukunft ängstlich in die jämmerliche Gegenwart zurück: das amtliche Schreiben war die Zukunft, das trockene Brot – mein Nachtmahl! – die Gegenwart – Ich dachte an das, was meine Mutter mir so und so oft gesagt hatte – „– Nimm nie etwas von ihr an, nicht mal eine Kartoffel! Auch eine Kartoffel kann vergiftet sein!“ – Für meine Mutter war eine Kartoffel das Allergeringste. Andere sagen in solchen Fällen Heller oder Pfennig. Diese Warnung hatte sich schon dem Knaben mit glühendem Griffel ins Hirn gebrannt. Und in dem Siebenundzwanzigjährigen lebte sie noch genau so eindrucksvoll, – wie ein Ton, der unsere Nerven einmal erzittern ließ und den wir ständig im Ohr haben. Es war die Fanfare des Hasses – Und all das um meinen Vater, der zuviel Liebe gefunden hatte, den ich noch vor mir sehe, wie er scheu und geduckt durch das Dasein schlich, in den Augen stets die unsichere Frage: „– Warum mußte gerade ich dies Traurige anrichten gegen meinen Willen –?! – Warum nur –?!“ Die Frage lag in seinem Blick als großes Leid. Sein Lächeln war stets so gequält. Und er schüttelte stets