Chapter

Das Haus der Sünde

In der fünften Stunde eines herrlichen Sommermorgens klopfte es gegen die Tür eines kleinen Hauses in einer stillen Seitenstraße nahe dem Britischen Museum. Bis die Tür geöffnet werden konnte, wurde das Klopfen fortgesetzt, gedämpft, aber unablässig, als wolle der Besucher durch seine Ausdauer das Dringliche seines Besuches bekräftigen. In diesem Teile Londons ist ein derartig früher Besuch etwas durchaus Ungewohntes, – die spätesten Nachtschwärmer sind schon lange zu Bett gegangen, und der erste Milchmann hat seine Tagesrunde noch nicht begonnen –, und es war klar, daß etwas Außergewöhnliches geschehen sein mußte, um diesen frühen Besuch zu veranlassen. Das einzige, was diesen Besuch gerade in diesem Hause erklärlich erscheinen ließ, war das Türschild, auf dem der Name »F. Tarleton, Dr. med.« eingraviert war. Aber es mußte auffallen, daß die Praxis Dr. Tarletons keine von denen sein konnte, die den Arzt nächtlichen Konsultationen unterwarf, denn an seinem Hause fehlte die bei Ärzten mit großer Praxis übliche Nachtklingel. Dies erschien merkwürdig, noch merkwürdiger aber war es, daß Dr. Tarleton, obgleich sein Name jedem Zeitungsleser bekannt war, weniger Patienten in London hatte, als man bei einem Mediziner seines Rufes hätte vermuten sollen. – Die wenigen Leute, die ihn besuchten, – Patienten und auch andere –, kamen mit derselben geheimnisvollen Miene und genau so

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