Chapter

Brünn und die Reise nach Prag

Der letzte Tag von Schanderas Aufenthalt in Brünn war da. Er hatte einen Brief geschrieben, nicht nach Prag, an Frau Ljuba Gjalska, sondern nach Wien, an seine Stieftochter Manja, deren Konservatoriumszeit im Mai zu Ende gegangen war, einen zweiten nach Linz an seine Schwester, die Hauptmannswitwe Therese Giacometti. In der Bahnhofsgarderobe hatte er sein Gepäck untergebracht. Nun begab er sich mit seinem noch im Zaudern heftigen Schritt über den Krautmarkt durch die Altbrünner Gasse zum Spielberg. Der Rauch der Fabriken umwölkte das Tal der Schwarzawa und der Zwittawa. Ein paar alte Leute saßen auf den Bänken unter der Festung, vor der d'Elvertbüste. Vom Petersberg her kam die Stimme der Glocken. Ein kleiner, blonder Infanterieleutnant beugte sich träg über die Steinbrücke zum klotzigen Tor O'Brien. Im dunklen Gewölbe, in dem sich geradeaus das Zimmer des Oberprofosen befand, putzten Soldaten ihre Gewehre, und ihre groben Lieder hallten durch das Holzgatter. »Naše Hanka«, brüllten sie zur Melodie des Zapfenstreichs. Eine Treppe im jenseitigen Trakt stieg, senkrecht fast, zur Wohnung des Kastellans empor. Von dort hatte Dr. Josef Schandera in den tiefen Hof, in dem Gras welkte und geflickte Hemden trockneten, hinabzugehn. Mit schwarzen Beeren wucherte, da wo ehemals der Galgen gestanden hatte, der Holunder. Schulkinder aus Tischnowitz und Gurein umdrängten den Einlaß zu den

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