Erstes Kapitel
Lautlos, voll reifender Schwüle lag die Mittagshitze des Hochsommertages über den weiten Feldern, aus deren gelben Wellen sich die hellen Mauern und das rote Dach des kleinen Bahnhofs erhoben. Müde tickte es aus der halbgeöffneten Tür in die Stille heraus, zögerte und verstummte. Ueber dem Damme zitterte die Luft. Der Stationsgehilfe trat aus der Türe, knöpfte seinen Rock zu und schaute den Geleisen entlang, die flimmernd schnurgerade durch die Felder liefen und in weiter Ferne mit einem blauen Streifen, dem Walde, zusammenstießen. Von dort her rollte ein Zug, ratterte bremsend vor den Bahnhof, kreischte lange und stand. Der Führer lehnte sich heraus und nickte dem Stationsgehilfen zu. Dieser hob den Arm und wollte winken, da wurde eine Wagentüre aufgerissen und ein Koffer auf die oberste Treppenstufe geschoben. Erstaunt blickte der Gehilfe hinüber, riß dann seine Hand herunter und trat mit langen Schritten an den Wagen. »Guten Morgen, Herr von Dohm,« sagte er und hob den Koffer herab auf den staubigen Kies. Klaus sprang nach. Er schritt neben dem Gehilfen über den Bahnsteig. Der Zug rollte langsam davon. Es wurde wieder still. »Sie kommen auch einmal in die Einöde heraus?«, begann der Stationsgehilfe verwundert. »Sie waren schon lange nicht mehr hier?« »Zwei Jahre,« erwiderte Klaus von Dohm. »Als ich die Schule verließ, war ich zum letztenmal hier draußen.« »Und seither waren