Erstes Kapitel
Leutnant Hubert Darrell von den Buffs, die damals in Simla standen, war in heftiger Unruhe. Ueber sechs Monate lang hatte er keine Briefe aus England bekommen, und seine Angst war groß, denn in so weiter Ferne erwartet einer natürlich sehnlich Nachrichten von den nächsten und teuersten Angehörigen: von der Mutter, die ihn geboren, vom Weibe seines Herzens, oder von dem Mädchen, das ihm Treue gelobte. Nun besaß Hubert Darrell eine Mutter – die unglücklicherweise aus irgendeinem geheimnisvollen Grunde von ihrem Gatten getrennt lebte –, für welche er eine sehr tiefe und andauernde Zuneigung empfand, und er besaß auch, wie er stolz eingestand, ein anbetungswertes kleines Bräutchen, Kitty Clare mit Namen, die schon, als sie noch Kinderlätzchen trug, ihm feierlich ihre Gelübde ewiger Treue herstammelte und dafür von ihm angebetet wurde. So kann man leicht verstehen, warum das lange Stillschweigen dieser beiden geliebten Wesen schwer auf ihm lastete und ihn mit einem unbestimmten Gefühl drohenden Unglücks erfüllte. Endlich kam ein Brief mit Londoner Stempel, den er hastig öffnete, aber nur, um die Mitteilung eines unbekannten Briefschreibers zu finden, der von häuslichem Unglück in Bayswater sprach, wovon er nichts wußte. Eine genaue Untersuchung des Briefumschlages enthüllte dann die Tatsache, daß der Brief in Wirklichkeit an Leutnant Herbert Darrell vom selben Regiment adressiert