Chapter

Das Halsband der Königin

(Denkwürdigkeiten eines Arztes II) Während dieser geistigen Erregungen der Gräfin, während ihrer Träumerei, ereignete sich eine Scene anderer Art in der Rue Saint-Claude, dem von Jeanne bewohnten Hause gegenüber. Herr von Cagliostro hatte, wie man sich erinnert, in das ehemalige Hotel Balsamo's die flüchtige, von der Policei des Herrn von Crosne verfolgte Oliva einquartirt. Sehr in Angst, hatte Mlle. Oliva mit Freuden die Gelegenheit, zugleich der Policei und Beausire zu entfliehen, angenommen; sie lebte also zurückgezogen, verborgen, zitternd in der geheimnißvollen Wohnung, welche so viele furchtbare Dramen, ach! furchtbarer, als das tragikomische Abenteuer von Mlle. Nicole Legay, beherbergt hatte. Cagliostro hatte jede Fürsorge, jede Zuvorkommenheit für sie gehabt; es kam der jungen Frau süß vor, von diesem vornehmen Herrn beschützt zu werden, der nichts verlangte, aber viel zu hoffen schien. Und was hoffte er? das fragte sich die Klausnerin vergebens. Für Mlle. Oliva war Herr von Cagliostro, der Beausire gebändigt und über die Policeiagenten gesiegt hatte, ein rettender Gott. Er war auch ein sehr verliebter Liebhaber, da er respectirte. Denn die Eitelkeit Oliva's erlaubte ihr nicht, zu glauben, Cagliostro habe eine andere Absicht mit ihr, als sie eines Tages zu seiner Geliebten zu machen. Es ist eine Tugend bei den Frauen, welche keine mehr haben, zu glauben, man könne sie

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