Chapter

Die Handschrift A.

Denkwürdig war immerhin schon die Art, wie er seine Liebeserklärung endlich ablegte: er ging aus von der Nibelungenfrage. Für einen Eingeweihten lag eigentlich nichts besonders Auffallendes darin, und Fräulein Anna war eingeweiht; sie kannte den Feuereifer, mit dem er seine germanistischen Studien betrieb, und hatte auch, wenn nicht einen Begriff, so doch eine Ahnung von der Wichtigkeit derselben im Haushalt der Wissenschaft; darum vermochte sie es auch über sich, geduldig zuzuhören und auszuharren, bis er eine Durchfahrt zum Hauptthema fände. Denn sie wußte natürlich längst, wohin das Schifflein seiner Rede steuerte; schon die fürchterliche Feierlichkeit, die er zur Schau trug, als er sie zu dem gewöhnlichen Spaziergang abholte, mußte ihr ein Leuchtfeuerchen aufstecken. Und es scheint festzustehen, daß die Ueberraschung sie nicht überwältigte; ganz sicher ist, daß sie ihr nicht durchaus unangenehm war. – 10 Es ist richtig, ein absonderlich schöner Mann war dieser Schulamtskandidat Christian Dinse kaum zu nennen, und ein Muster weltsicheren Auftretens erst recht nicht; es lag vielmehr in seiner Haltung und Gebärde stets etwas Eckiges, Unausgewachsenes, Dumpfes, jenes geheimnißvolle kleine Unwesen, das den meisten germanischen Jünglingen zwischen sechzehn und sechzig, zumal wenn sie gelehrt sind, anzuhaften pflegt, als ob ihre Hosen immer um eine Kleinigkeit zu lang oder die

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