Chapter

Kapitel 1

Am großen Friedrichsgraben. Federzeichnung von Ernst Wichert. An dem Mingeflusse, welcher, in Russisch-Litauen entspringend, den in Nordosten in einen schmalen Zipfel auslaufenden preußischen Grenzbezirk in vielen Windungen durchläuft und vorüber an dem Marktflecken Prökuls einige Meilen südlich unterhalb der von den Schiffern gefürchteten »Windenburger Ecke« dicht neben dem mächtigen Rußstrom eine Ausbuchtung des Kurischen Haffs erreicht, liegen lang hingezogen einige litauische Ortschaften, deren Höfe nicht ein geschlossenes Dorf bilden, sondern in der Nähe des Ufers ausgebaut sind. Wer auf flachem Kahne das Flüßchen hinauffährt, bemerkt von Zeit zu Zeit rechts und links eine Anpflanzung von Birken, Ellern und Linden, einen kleinen Busch bildend, und mitten darin einige Häuschen von Holz mit Stroh-, mitunter auch Ziegeldach. Sie bilden den wirtschaftlichen Mittelpunkt einer bäuerlichen Besitzung von einer oder zwei Hufen Acker- oder Weidelandes. Oft gehört auch ein Stück Heide, ein Torfstich und eine Haffwiese dazu. Einer dieser Höfe gehörte von früher Zeit her der litauischen Familie Karklies. Das Wohnhaus war eines der größeren und ganz in der alten Weise aus übereinandergelegten, an den Ecken verkröpften vierkantigen Hölzern erbaut, die nun längst grau geworden waren. Auf der vorderen Schmalseite zeigte sich das Giebelfeld unter dem vermoosten Strohdach in Quadrate

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