Des Buschwirths Fränzel
I. Der letzte Windecker war fern von der Heimath, zu Venedig, mit Schild und Helm in den Todtenbaum gelegt worden. Wappen und Stamm vermögen hatten die Schwestern des seligen Freiherrn geerbt; ihre Ehegatten, die Herrn von Fleckenstein und Hüffel, sprachen auch die Lehengüter an, doch diese machte ihnen der Markgraf von Baden-Baden streitig. Zu gutem Glück waren für die kleineren Herrn die Zeiten des Faustrechtes vorüber, sonst hätte der Handel viel Blut gekostet; so wurde nur Tinte vergossen, diese aber in Strömen. Seit Jahren schon währte der Streit, und die Heimbürger von Bühl wußten immer noch nicht, wem sie angehörten. Sie befanden sich nicht allzuwohl dabei; wer ihnen etwas abzwacken konnte, griff unbedenklich zu, doch wo sie Hilfe und Schutz suchten, waren sie herrenlose Hunde. Die kaiserlichen Sendboten und Verwalter kosteten viel und nützten wenig. Das beste Glück im Mißgeschick war grade noch der Umstand, daß der Markgraf den Blutbann behauptete; sein Vogt zu Steinbach handhabte die Gerechtigkeit mit scharfem Eifer, sonst wäre am Bühlotbach niemand seines Lebens und Eigenthums sicher gewesen. Welche Sicherheit ohne hin nicht die musterhafteste war, weil in selbiger Gegend ein gar bösartiges Volk haust, roh, gewaltthätig, trunksüchtig und lüderlich, heute noch wie damals. Der Gerichtsherr mußte zu selbiger Zeit, eben um der Bösartigkeit des Volkes halber, auch die