I
Der römische Landpfleger Pontius Pilatus steht im Credo, die Hoffahrt im Katechismus; doch ist darum jener noch kein Heiliger, diese keine christliche Tugend. Die Hoffahrt besteht indessen nicht allein in gleißendem Prunk mit Sammet und Seide, Geschmeiden von Gold und Edelstein, Rossen, Wehr und Waffen, und allem sonstigen Glanz des Reichthums; sie besteht auch nicht blos in der Gleißnerei des Scheins ohne innern Gehalt, sondern sie ist gar oft die Milchschwester der rühmlichen Ehrbegierde und der redlichen Strebsamkeit; noch öfter hüllt sie sich vor sich selber wie vor andern in das Gewand der Demuth. Die sündhafte Hoffahrt hat schon die größten Männer verblendet, wie ganz kleine; sie machte den Kaiser Napoleon zum Affen Ludwigs des Vierzehnten, sie entlockt dem ehrsamen Schneidermeister mit dem ehrwürdig grauen Haupt einen großen Theil des sauer erworbenen Reichthums für einen Adelsbrief. Auch der junge Hildebrand Pfeiffer, ein Meister der sieben freien Künste, war besessen von jenem Hochmuthsteufel, welcher das lautere Gold gediegenen Verdienstes zu gleißenden Schaumünzen auszuprägen begehrt. Zum Ausprägen aber bedarf das Gold einen Zusatz von unedlem Metall, um desto mehr, je weiter es langen soll. Dennoch hätte dem Magister keiner so leicht die Hoffahrt angemerkt; nicht aus Reden und Blicken, nicht aus Haltung und Gewand. Er trug sich so bescheiden in seinem schwarzen