Erstes Buch
In dieser Mainacht des Jahres 1780 schlief der junge Prinz Adalbert wenig und unruhig. Immer wieder fuhr er traumtrunken empor, hob den Kopf, spähte durch die grünseidenen Vorhänge seines Himmelbettes nach dem Fenster, ob es schon den ersten Morgenschein hereinließe, atmete auf, wenn er sah, daß überall im Gemach noch die Schatten des Dunkels lagen und ließ den blonden Kopf wieder beruhigt in die Kissen sinken, wenn das Silberstimmchen der Kaminuhr ihm tröstend sagte, daß es noch gute Weile haben würde, bis der große Tag anbrach. »Der große Tag«, so hatte sein Großvater, der regierende Herzog, gesagt und hinzugefügt: »Dein Ehrentag ist's! Der Tag, an dem du zur Armee eingestellt wirst, muß der schönste deines Lebens sein, dein Lebtag mußt du als deine beste Erinnerung an ihn denken! Von diesem Tag an gehörst du nicht mehr dir oder deiner Frau Mutter oder sonst wem, sondern der Armee!« So hatte er in seiner soldatischen, rauhen Art zu dem Zwölfjährigen gesprochen und ehrerbietig, wie es einem Enkelkinde seiner Zeit zukam, hatte Adalbert die Hand des Großvaters geküßt und gesagt: »Wie Euer Hoheit befehlen!« Sein Herz aber hatte nichts von dem gewußt, was der Mund sprach, denn wenn der Zwölfjährige auch die Worte des alten Herzogs nicht ganz erfassen konnte, so erfüllten sie ihn doch mit unbestimmter Angst. Er ahnte, daß der Großvater ihn aus der gehegten Kinder- und Knabenzeit