Die Ausstellung am Michigansee
Bei Chikago am Michigansee hatten amerikanische Bildhauer und Kunstgewerbler eine Ausstellung arrangiert. Aber es gab nur Silberarbeiten zu sehen. Es war um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Und der Architekt Edgar Krug hatte die Ausstellungshallen erbaut – aus Glas und Eisen. Es war der Eröffnungstag, und lebhaft gestikulierend führte der Architekt seinen Freund, den Rechtsanwalt Walter Löwe, in den riesigen Hallen umher und machte ihn auf die Feinheiten der Architektur und Ornamentik aufmerksam. Die kolossalen Wände bestanden ganz aus farbigem Glas – mit farbigem Ornament, so daß das Tageslicht sehr gedämpft in den Innenraum hineinströmte. Draußen regnete es. Die Sonne schien also nicht. Trotzdem leuchteten die Farben des Glases sehr heftig. Herr Edgar Krug sagte leise: »Grade die Silberplastik hebt sich famos von den ganz bunten Glaswänden ab. Einen besseren Rahmen konnte diese Menge von Silberkunst gar nicht bekommen, nicht wahr?« »Ich fürchte nur«, versetzte Herr Löwe, »daß der Rahmen als zu groß empfunden werden wird. Man hat die Empfindung, daß nicht sehr viele Silberarbeiten da sind; in den Riesenhallen verschwinden sie beinahe. Du sprachst von einer Menge; das Wort wirkt komisch auf mich.« »Verzeih«, versetzte der Architekt, »es sind fast hunderttausend Nummern.« »Zu wenig!« rief laut der Rechtsanwalt, »Deine bunt ornamentierten Glaswände ziehen alle Augen am