Chapter

Das goldene Gongong - 1. Kapitel

Die drückende Hitze eines indischen Sommertages lastete auf Dschaipur, der Residenz des gleichnamigen Vasallenstaates in der britisch-indischen Provinz Radschputana. Harald Harst und ich lagen bequem ausgestreckt in den hohen Rohrsesseln in unserem Wohnsalon. Wir waren seit Tagen Gäste des Maharadschas von Dschaipur. Harst studierte ein englisches Buch, das über die Ruinen der uralten Stadt Amber handelte, die im Jahre 1728 auf Befehl des Fürsten Dschai Singh verlassen worden war. Die Ruinen von Amber liegen sieben Kilometer nordöstlich von Dschaipur in den Bergen. – Ich nickte in meinem Sessel zuweilen ein. In diesem Zustande trägster Ruhe und halben Schlafes hörte ich, wie Harst irgend ein Wort mit ganz besonderer Betonung ausrief. Ich öffnete schwerfällig die Augen. »Sagtest Du etwas?« fragte ich ohne Interesse. Harst hatte das Buch, das aus der Bibliothek des Maharadschas stammte, jetzt im Schoße liegen und hielt gerade einen Zettel gegen das durch die hohen Fenster einströmende Tageslicht. »Ja, mein lieber Schraut, ich sagte etwas,« erwiderte er und drehte das Papier vor den Augen hin und her. »Ich sagte »Merkwürdig!« Weiter nichts.« Wenn irgend etwas mich hätte schnell munter machen können, dann waren es diese beiden Tatsachen: Erstens das »Merkwürdig!« und zweitens der Zettel, dem Harald so große Aufmerksamkeit schenkte. Ich stand auf und trat neben seinen Rohrsessel.

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